Akademischer Workshop an der Universität Köln, 19.-20. Januar 2015

CARPO organisierte diesen Workshop in Kooperation mit Laila Al-Zwaini (Re:Orient) und Prof. Dr. Sabine Damir-Geilsdorf (Seminar für Orientalische Studien, Universität Köln) mit dem Ziel, die historischen Wurzeln, Konzepte und Visionen ebenso wie die zukünftige Implementierbarkeit des zivilen Staates mit den Teilnehmer*innen zu diskutieren. Der Begriff dawla madaniyya, der generell mit ‚ziviler Staat‘ übersetzt wird, war einer der am meisten gehörten Schlagwörter während der Proteste des ‚arabischen Frühlings‘. Demonstrant*innen gegen das Regime, Unterstützer*innen des Regimes, Intellektuelle und Akademiker*innen unterschiedlicher sozialer und politischer Hintergründe, islamische Gelehrte (ʿulamāʾ), islamistische Aktivisten, Stammesführer etc. machten sich alle diesen Begriff bei der Einforderung eines neuen politischen Systems und eines neuen Gesellschaftsvertrages zunutze. Wie jeder Begriff, der auf eine solch vielfache Weise benutzt wird, entwickelte sich dawla madaniyya zu einem ‚floating signifier‘, welcher mit multiplen Verständnissen von der Beziehung zwischen Regierenden und Regierten, von Gerechtigkeit, Sicherheit, guter Regierungsführung, dem Verhältnis von Religion und Staat etc. belegt war. Diese Vagheit sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele der Akteure, die den Begriff propagierten, manchmal durchaus sehr klare Vorstellungen von und Ideen für die Neudefinition und Reform von Staatlichkeit und Regierungsführung in ihren jeweiligen Ländern oder der Region im Allgemeinen hatten und haben.

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Publikationen:

Grey-scales. Negotiating the Civil State in Post-Revolutionary Egypt

Grey-scales. Negotiating the Civil State in Post-Revolutionary Egypt

von Sarah Wessel

Der Ruf nach dawla madaniyya (ziviler Staat) war einer der prominentesten unter den zahlreichen Forderungen des ‚Arabischen Frühlings‘ im Jahr 2011. In dieser CARPO Study untersucht Sarah Wessel die sich wandelnden Beziehungen zwischen Staat und Gesellschaft in Ägypten in der Folge der sogenannten 25. Januar Revolution bis zum Sturz Muhammad Mursis. Durch die Analyse der komplexen Annahmen, Wahrnehmungen und Umstände in Zusammenhang mit der Unterstützung von dawla madaniyya zeigt die Autorin, dass die unterschiedlichen Aufladungen des Begriffs auf eine tiefer sitzende Besorgnis verweisen, nämlich ob sich die entwickelnden politischen und gesellschaftlichen Extreme wieder vereinen lassen, um die Desintegration des nationalen Kollektivs zu verhindern.

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