CARPO Research Forum

Reconfigurations in West Asia and North Africa (WANA)

1st CARPO Research Forum

19. November 2020, 14:45 – 18:30 (CET) online

Die Region, die sich über Westasien und Nordafrika (WANA) erstreckt, befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Trotz ihrer Heterogenität stehen alle WANA-Länder vor sozialen, (geo-)politischen, ökologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen, die sie bewältigen müssen – wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Die aktuelle COVID-19-Pandemie wirkt als Beschleuniger dieser Entwicklung und macht gleichzeitig die hohe Anfälligkeit der Region deutlich.

Das erste virtuelle Forschungsforum von CARPO zielt darauf ab, diese Umbrüche in der Region zu thematisieren. Gemeinsam mit unseren Referenten und dem Publikum wollen wir nicht nur einige der drängendsten Bedrohungen erörtern – darunter geopolitische Verschiebungen, Fragen der nachhaltigen Entwicklung und zunehmende soziale Konflikte –, sondern auch das Zusammenspiel der verschiedenen Kontexte (national, regional und global), in denen diese Entwicklungen stattfinden, beleuchten.

Agenda

  • 14:45 – 15:00
    Einleitung und Begrüßungsworte

    Dr. Marie-Christine Heinze,Vorstandsvorsitzende CARPO

  • 15:00 – 15:30
    Keynote: Westasien und Nordafrika im Wandel

    Prof. Dr. Thomas Demmelhuber, Friedrich-Alexander Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg

  • 15:30 – 15:45
    Kurze Pause

  • 15:45 – 17:00
    Arbeitsgruppen

    Veränderungen in Westasien und Nordafrika (WANA)

  • 17:00 – 17:15
    Pause

  • 17:15 – 18:30
    Zusammenfassung: Umbrüche in Westasien und Nordafrika (WANA) – Verknüpfung der nationalen, regionalen und globalen Dimensionen

    Moderatorin:
    Julia Pickhardt, Project Manager/Researcher, CARPO

Breakout Sessions

Arbeitsgruppe 1: Eine Neuordnung der Machtverhältnisse und Chinas aufkommende Rolle im Nahen Osten: ein Wendepunkt oder viel Lärm um nichts?

China hat in den letzten zehn Jahren zunehmend an Bedeutung im Nahen Osten gewonnen. Obwohl das Land in der Region noch relativ neu ist und bei der Bewältigung lokaler politischer und sicherheitspolitischer Herausforderungen äußerst zurückhaltend vorgeht, sah es sich aufgrund seiner wachsenden wirtschaftlichen Präsenz in der Region gezwungen, sein Engagement im Nahen Osten zu verstärken. Da die langjährige Vorherrschaft der USA in der Region Anzeichen eines Rückgangs zeigt, gewinnt Chinas Rolle zunehmend an Bedeutung. Dennoch ist nur wenig über Chinas Position und Ziele im Nahen Osten bekannt, ebenso wenig wie darüber, inwiefern diese Faktoren mittel- bis langfristig die regionale Stabilität und die politische Dynamik beeinflussen könnten. Diese Podiumsdiskussion befasst sich mit den geopolitischen Umbrüchen und Konstellationen externer Akteure, die die Entwicklung der Region beeinflussen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Aufstieg Chinas und seiner wachsenden Rolle in der WANA-Region. Die Veranstaltung richtet sich an alle, die sich für eine geopolitische Perspektive auf regionale Entwicklungen interessieren.

Podiumsdiskussion:
Angela Stanzel, Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP):
t.b.a.

Camille Lons, The International Institute for Strategic Studies (IISS), Bahrain:
Bewertung des geoökonomischen und strategischen Gewichts Chinas in der MENA-Region – Jenseits von Lärm und Wut

Jacopo Scita, School of Government and International Affairs, University of Durham:
Ein nicht ganz so offensichtliches Schicksal: Wird China zum Sicherheitsgaranten am Persischen Golf

Moderatorin:
Julia Gurol, Wissenschaftlerin, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg & CARPO

Arbeitsgruppe 2: Die Klimasicherung und der beschwerliche Weg hin zu einer nachhaltigen Entwicklung

Die zunehmende Bedeutung eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen wirtschaftlichem und sozialem Wachstum bei gleichzeitiger Wahrung der Umwelt als öffentliches Gut findet immer breitere Akzeptanz. Auch wenn Nachhaltigkeit noch lange keine oberste Priorität darstellt, ist sie doch zu einem Schlagwort für politische Entscheidungsträger in der Region geworden. Gleichzeitig wächst das „Umweltbewusstsein“ in der Bevölkerung und macht die mangelnde Umweltpolitik der amtierenden Regierungen deutlich. Viele Länder leiden unter Bodendegradation, Verlust der Artenvielfalt, Belastung durch Giftstoffe, Abfallentsorgung, Gefahren für die Nahrungsmittel- und Wasserversorgungssicherheit sowie Umweltverschmutzung – um nur einige der ökologischen Herausforderungen zu nennen, denen sich die WANA-Region heute gegenübersieht. Die schwerwiegenden Auswirkungen des Klimawandels, wie beispielsweise die globale Erwärmung, verschärfen die sich verschlechternde ökologische Lage. Als grenzüberschreitende Bedrohung wird der Klimawandel oft als regionale Herausforderung und als Angelegenheit von kollektivem Sicherheitsinteresse betrachtet, doch Mittel zur regionalen Zusammenarbeit und Kooperation sind kaum vorhanden. Anstatt die vielfältigen Herausforderungen der Umweltzerstörung zu erörtern und die Hindernisse und Mängel einer nachhaltigen Entwicklung zu beleuchten, nimmt dieses Panel vielmehr eine politikökologische Perspektive ein, um die zugrunde liegenden politischen Machtverhältnisse und deren Zusammenhänge mit ökologischer Nachhaltigkeit aufzudecken. Es konzentriert sich somit auf Diskurse und Praktiken rund um die Gestaltung und Steuerung der Umweltpolitik sowie deren Kontroversen.

Podiumsdiskussion:
Tobias von Lossow, Clingendael-Institut:
Wasser, Strom und Gesundheitsversorgung: Grundversorgung und der Staat

Katharina Nicolai, Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg:
Hindernisse und Chancen der regionalen Zusammenarbeit im Klimawandel: Eine marokkanische Perspektive

Amnah Ibraheem, University of Tennessee:
Vier Herausforderungen auf verschiedenen Ebenen für regionale Umweltbewegungen

Moderator:
Tobias Zumbrägel, Wissenschaftler, CARPO

Arbeitsgruppe 3: Umgestaltung oder Zusammenbruch von Gesellschaften? Die Protestwellen seit dem sogenannten Arabischen Frühling

Die Rolle der Zivilgesellschaft in der WANA-Region hat sich drastisch verändert, seit die Bewegungen des sogenannten Arabischen Frühlings im Jahr 2011 den Verfall des Sozialvertrags in vielen Ländern offenbart haben. In den letzten Jahren wurde in vielen Ländern, darunter im Irak und im Libanon, der Ruf nach einem Wandel in den Beziehungen zwischen Staat und Gesellschaft laut. Die Forderungen der Zivilbevölkerung sind vielfältig und hängen stark vom jeweiligen Kontext ab. Dazu gehören die Bekämpfung der Korruption, die Umverteilung von Gütern und Wohlstand, die Bereitstellung von Gesundheitsversorgung, Strom und anderen Grundgütern sowie ein Umdenken im politischen und wirtschaftlichen System. Die Protestbewegungen durchbrechen größtenteils die konfessionellen, stammesbezogenen, alters- und geschlechtsspezifischen Barrieren. Gleichzeitig haben neben den Zivilgesellschaften zahlreiche lokale Akteure an Einfluss gewonnen, die versuchen, die Lücke zu füllen, die durch die Instabilität des Staates bei der Bereitstellung grundlegender Dienstleistungen entstanden ist. Diese Akteure fördern neue regionale Dynamiken und schüren Spannungen.

Diese Podiumsdiskussion soll die nationale und innerstaatliche Ebene beleuchten und die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Bewegungen in den WANA-Ländern thematisieren. Mit Blick auf die jüngsten Bewegungen im Irak und im Libanon, wo kein neuer Gesellschaftsvertrag in Sicht ist, bleiben Fragen offen, in welche Richtung sich die Proteste entwickeln werden.

Podiumsdiskussion:
Mark Furness, Deutsches Entwicklungsinstitut (GDI/DIE):
Die Protestbewegungen und die internationale Unterstützung für neue Sozialverträge in den WANA-Ländern;

Jinan Al-Habbal, London School of Economics and Political Science (LSE):
Libanon: Jenseits der Proteste;

Dlawer Ala’Aldeen, Middle East Research Institute (MERI):
wird noch bekannt gegeben;

Moderatorin:
Mirjam Schmidt, Projektbeauftragte, CARPO